Natürlicher Sonnenschutz oder: Irrtum Sonnenschutzcreme

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Eines der momentan am heiß diskutiertesten Themen in meiner Praxis ist der Sonnenschutz. Daher an dieser Stelle mein lang geplanter Beitrag, den ich eigentlich schon vor Wochen online stellen wollte- deshalb ist er nun auch so lange geworden. Also Mut zusammenpacken und einmal durchlesen. Ich hoffe, dass sich jeder Leser etwas herauspicken kann. Dieser Beitrag ist mir deshalb so wichtig, da oft im Angesicht der tagtäglichen Panikmache und des vielen Einschmierens komplett darauf vergessen wird, was für die Haut tatsächlich am allerwichtigsten ist. 

Ich wundere mich immer, wenn ich die komplett weiß glänzenden Kinder und Erwachsene herumflitzen seh oder wieder mal bemerke, wie eine Mami nach der anderen ihre Zwuckis- kaum sind sie an der frischen Luft- mit einer Sonnencreme jenseits von LSF50 von Kopf bis Fuß eincremt.

Natürlich! Sonnenschutz ist wichtig. Besonders wichtig für Babys und Kleinkinder, deren empfindliche Haut noch nicht an die Sonne gewöhnt ist. Wir alle kennen die Risiken eines Sonnenbrandes- werden sie uns ja von allen Seiten her eingetrichtert. Doch Sonnenlicht ist genauso wichtig. Die Sonnenstrahlen aktivieren nämlich die Produktion des lebenswichtigen Vitamin D, was durch das Eincremen oft gestört wird.

Normalerweise macht man sich erst Gedanken über dieses alltägliche Thema, wenn man entweder selbst Hautprobleme oder ein neurodermitisches Zwucki zu Hause hat oder man einen Vitamin D Mangel diagnostiziert bekommt (besonders gerne bei Kindern). Oder- über lange Sicht gesehen- plötzlich Krankheiten (in welcher Form auch immer) auftauchen.

Doch warum um Himmels willen kann man im Sommer einen Vitamin D- Mangel haben? Dieses Vitamin sollte doch durch die Sonneneinstrahlung produziert werden!!

Wird die Haut gleich nachdem man außer Haus geht mit Cremen zugekleistert, dann kann die UVB- Strahlung, die für die Aktivierung des Vitamin D zuständig ist, nicht mehr zur Haut vordringen. Oder nur bedingt. Hier entscheidet der LSF. Cremen ab LSF30 lassen kaum mehr das Sonnenlicht durch. Die Haut wird regelrecht abgeschottet. Also: Sonnenlicht kommt nicht durch, Vitamin D kann nicht gebildet werden. Allein schon eine kleine Wartezeit an der frischen Luft genügt, bevor man sich eincremt. 15- 30 Minuten Sonnenlicht genügen pro Tag um die Menge an Vitamin D zu bilden, die wir benötigen um gesund zu bleiben. Danach kann aber gerne gecremt werden. Doch auch hier ist wichtig: ein natürlicher Sonnenschutz sollte immer bevorzugt werden. Zudem kann man auch den körpereigenen Sonnenschutz der Haut erhöhen, indem man sich mit speziellen Lebensmitteln ernährt.

Aber eines nach dem anderen. Du fragst dich sicherlich wofür wir das Vitamin D eigentlich benötigen. Ich erzählte es dir gerne.

Studien zeigen, dass ein Vitamin D- Mangel an der Entstehung von vielen Krankheiten beteiligt ist (erhöhte Infektanfälligkeit, Asthma, Neurodermitis, Haarausfall, Bluthochdruck, Darmerkrankungen, Diabetes, Karies, Erschöpfung, Stress, Depression & Co). Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ein optimales Vitamin D- Depot dazu beiträgt, dass wir Stress gut standhalten können, ein gut funktionierendes Immunsystem aufweisen, die Wundheilung wunderbar klappt, Entzündungen vorgebeugt wird,…

Ein Vitamin D- Mangel ist häufig auch für den sogenannten Winterblues vorantwortlich, der sich bei den meisten mit schlechter Stimmung äußert.

Doch leider genügt es nicht, wenn wir uns ein paar Minuten am Tag in der Sonne aufhalten. Es gibt viele Störfaktoren, die verhindern, dass wir genügend Vitamin D aufnehmen. Zum einen kommt es darauf an, zu welcher Jahreszeit wir uns an der Sonne bewegen. Natürlich kann im Sommer durch den Winkel des Sonnenstrahleneinfalls viel mehr Vitamin D aufgenommen werden als im Winter. Hier lautet die Faustregel: ist mein Schatten länger als ich selbst, kann ich nicht viel Vitamin D aufnehmen, ist er hingegen kürzer (wie etwa um die Mittagszeit im Sommer) ist dies die beste Zeit, in der Vitamin D gebildet werden kann- obwohl es natürlich nicht optimal ist, wenn wir uns in dieser Zeit von der Sonne braten lassen. Aber das wissen wir ja alle selbst.. 🙂

Befinden wir uns in einer höheren Lage (etwa auf dem Berg) dann können wir weit mehr Vitamin D bilden, als unten am Strand. Auch bei bewölktem Wetter bilden wir weitaus weniger Vitamin D. Und natürlich kommt es auch darauf an, wieviel Hautfläche beschienen werden kann. Dass wir in Bikini und Badehose mehr Vitamin D aufnehmen können, als in langem Shirt und langer Hose ist natürlich auch klar. Auch der Hauttyp spielt eine große Rolle. Je heller die Haut umso besser kann Vitamin D gebildet werden. Je mehr jemand das Hautpigment Melanin enthält (also umso brauner und dunkler jemand ist), umso länger benötigt die Haut das Vitamin D bilden zu können.

Um wieder zum Thema zurückzukehren: Auch die Wahl des Sonnenschutzmittels kann viel zur optimalen Bildung des Vitamin D beitragen. Die bei uns üblich verwendeten Lichtschutzfaktoren verhindern, dass die für die Vitamin D- Bildung notwendige UVB- Strahlungen überhaupt erst zur Haut vordringen können. Daher haben viele auch im Sommer einen Vitamin D- Mangel.

Darum empfehle ich immer sich mal die erste Zeit in der Sonne nicht einzucremen- sondern erst danach- wenn überhaupt notwendig. Man bekommt nicht immer gleich einen Sonnenbrand. Vorausgesetzt man beachtet, dass man nicht unbedingt um die Mittagszeit, wenn die Sonne ihre stärkste Kraft erreicht hat, sich im Freien aufhalten soll. Wenn es unbedingt notwendig ist, dann mit langer heller luftiger Kleidung und Kopfbedeckung. Auch Kinder und vor allem Babys sollten in dieser Zeit nicht rausgehen. Besonders bei Babys ist es nicht notwendig, dass man sich in der prallen Sonne aufhält. Doch auch im Schatten kann die Sonneneinstrahlung so hoch sein, dass Babys und Kleinkinder, deren Haut noch nicht so oft die Sonne gesehen hat, schnell mal von der Sonne geküsst werden. Wer sein Kind nicht eincremt bzw. eincremen möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass eine lange, luftige, helle Kleidung angezogen wird und der Kopf samt Nacken gut bedeckt ist.

sunblock-1461397_960_720Lange Rede- kurzer Sinn. Welche Produkte sollten nun zum Eincremen verwenden werden? Herkömmliche Produkte enthalten oft fragwürdige Inhaltsstoffe, die man lieber nicht auf seine Haut auftragen sollte. Doch das ist ein anderes Thema. Abstand halten ist hier besonders angebracht. Die Lösung? Wir machen die Sonnencreme einfach selbst! Und zwar ganz leicht. Ein wenig Vorwissen ist jedoch auch hier notwendig, um richtige und vor allem sinnvolle Entscheidungen treffen zu können.

Es gibt sehr viele Fette und Öle, die einen natürlichen Sonnenschutz bieten. Doch die meisten haben einen sehr geringen Lichtschutzfaktor. Sie schützen in erster Linie vor der UVB- Strahlung, die die Haut rot macht, aber nicht vor der gefährlichen UVA- Strahlung, die tief in die Haut eindringt, die Haut schnell altern lässt und auch Hautkrebs verursachen kann. Diesen Schutz bieten aber auch herkömmliche Sonnencremen nicht (zumindest nur ein Teil davon). Viele Sonnencremen enthalten auch Nanopartikel unter 100 nm, die die Haut durchdringen und nachhaltig schädigen können.

Doch nun an den praktischen Teil. Welche Zutaten verwendet man zur Herstellung einer natürlichen Sonnencreme?

  • Olivenöl: LSF 7,5
  • Kokosöl: LSF 7
  • Sheabutter: LSF 4
  • Jojobaöl: LSF 3-4
  • Acocadoöl: LSF 3
  • Sesamöl: LSF 2
  • ätherische Öle:
    • Eukalyptusöl: LSF 2.5
    • Lavendelöl: LSF 5,5
  • Vitamin E: nährt die Haut, schenkt Feuchtigkeit, schützt vor freien Radikalen, natürliches Konservierungsmittel
  • Zinkoxid: ist ein UV- Filter, der UVA- und UVB- Strahlung absorbiert und von der Haut fernhält
    • Zinkoxid enthält Nanopartikel. Hier sollte man beim Kauf unbedingt darauf achten, dass die Nanopartikel über 100 nm haben- idealerweise über 330 nm, damit diese die Haut nicht durchdringen können und nur die positiven Eigenschaften dieses Produktes zur Geltung kommen („Non Nano- Produkte“)

Die ausgewählten Öle (und/oder die Sheabutter) werden in einem Glas (z.B. Marmeladeglas) im Wasserbad so lange vorsichtig erwärmt, bis diese vollständig geschmolzen sind. Wenn das Öl etwas abgekühlt ist, fügt man die ätherischen Öle, Vitamin E und das Zinkoxid hinzu und verrührt dieses gut. In einem Kunststoffbehälter oder Marmeladeglas ist dieses Öl etwa 6 Monate haltbar. Vorausgesetzt sie wird kühl und dunkel gelagert. Wenn sie mit in die Sonne wandert, dann sollte sie die Nacht über wieder im Kühlschrank verbringen. Die Sonnencreme kann wie jede andere Creme auch verwendet werden.

Ich möchte noch etwas zum Zinkoxid schreiben. Abgesehen davon, dass ein Pulver mit über 330 nm verwendet werden sollte, kann hier super ein hoher Lichtschutzfaktor erreicht werden. Ausgehend davon welches Produkt mit welchem LSF man herstellen möchte, wählt man die Menge an Zinkoxid.

Hier ein Beispiel:

  • für LSF 2- 5                       5 % Zinkoxid in der Creme
  • für LSF 6-11                    10 % Zinkoxid in der Creme
  • für LSF 12-19                  15 % Zinkoxid in der Creme
  • für LSF 20 und mehr    20 % Zinkoxid in der Creme

So einfach kann man sich selbst eine Creme an seine Ansprüche anpassen. Für Menschen, die eine sensible Haut haben oder auf verschiedenste Öle und Inhaltsstoffe herkömmlicher Sonnencremen reagieren, ist dies eine wunderbare Möglichkeit selbst tätig zu werden und seiner Haut etwas Gutes zu tun.

Und wer nicht selbst basteln möchte, kann sich noch immer in der Naturkosmetikabteilung bedienen. Hier findet man immer wieder etwas Schönes. Am besten vorher die Inhaltsstoffe mit Codecheck durchgucken.

Hier ein Rezept, welches ich selbst schon probiert habe:

  • 30 g Kokosöl
  • 24 g Sheabutter
  • 3 g Jojobaöl
  • 3 g Vitamin E Öl
  • 30 Tropfen ätherische Öle (Lavendelöl, Eukalyptusöl)
  • Zinkoxidpulver je nach gewünschtem LSF

Aber ein natürlicher Sonnenschutz ist nicht nur von außen möglich- auch Lebensmittel können uns dabei unterstützen von innen unsere Haut zu schützen, indem sie die Empfindlichkeit der Haut gegen die UV- Strahlung verringern und den körpereigenen Lichtschutzfaktor erhöhen.

Carotinoide schützen z.B. unsere Haut- genauso wie sie es mit dem Blatt oder der Frucht der Pflanze tun, die diese Stoffe enthalten. Carotinoide kommen vor allem in roten Algen vor- ich spreche hier von Astaxanthin. Diese Algen leben z.B. auch in Gewässern, die in der heißen Jahreszeit zeitweise austrocknen. Das Astaxanthin dieser Pflanze wird dann aktiv und schützt die Alge vor Schäden durch die UV- Strahlung. Astaxanthin ist ein sogenanntes Antioxidans, das auch uns Menschen helfen kann.

Carotinoide kommen vor allem in roten und gelben Früchten vor. Also haut rein!

Aber auch Vitamin E, Vitamin C, Flavonoide und bestimmte Fettsäuren schützen uns vor der UV- Strahlung. Studien gibt es z.B. zum Sonnenschutz- Potential von Tomaten. Also wer diese verträgt, sollte diese abdem Frühsommer vermehrt in seinen Speiseplan einbauen. Natürlich am besten aus dem eigenen Garten… 🙂

Also man kann vieles unternehmen, um seinen Körper auf natürliche Weise vor der Sonne zu schützen (sowohl innen als auch außen). Es braucht nur ein wenig Mut den üblichen Weg zu verlassen. Also genießt diesen Sommer mit vollen Zügen ohne schlechtem Gewissen! Alles Liebe!

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