
📸 Frau Feist
#urlaubspoesie
𝘍ü𝘳 𝘢𝘭𝘭 𝘫𝘦𝘯𝘦, 𝘥𝘦𝘳𝘦𝘯 𝘒𝘰𝘱𝘧 𝘯𝘪𝘦 𝘯𝘶𝘳 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘯 𝘎𝘦𝘥𝘢𝘯𝘬𝘦𝘯 𝘬𝘦𝘯𝘯𝘵. 𝘋𝘦𝘳𝘦𝘯 𝘏𝘦𝘳𝘻 𝘮𝘦𝘩𝘳 𝘧ü𝘩𝘭𝘵, 𝘢𝘭𝘴 𝘞𝘰𝘳𝘵𝘦 𝘮𝘢𝘯𝘤𝘩𝘮𝘢𝘭 𝘧𝘢𝘴𝘴𝘦𝘯 𝘬ö𝘯𝘯𝘦𝘯. 𝘋𝘪𝘦 𝘚𝘤𝘩ö𝘯𝘩𝘦𝘪𝘵 𝘴𝘦𝘩𝘦𝘯, 𝘸𝘰 𝘢𝘯𝘥𝘦𝘳𝘦 𝘷𝘰𝘳𝘣𝘦𝘪𝘨𝘦𝘩𝘦𝘯. 𝘜𝘯𝘥 𝘥𝘪𝘦 𝘴𝘪𝘤𝘩 𝘮𝘢𝘯𝘤𝘩𝘮𝘢𝘭 𝘧𝘳𝘢𝘨𝘦𝘯, 𝘰𝘣 𝘴𝘪𝘦 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘦𝘪𝘯 𝘣𝘪𝘴𝘴𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘻𝘶 𝘷𝘪𝘦𝘭 𝘷𝘰𝘯 𝘢𝘭𝘭𝘦𝘮 𝘴𝘪𝘯𝘥.
Manchmal kommt mir der Gedanke, dass es doch recht spannend ist, dass ich den Erfolg eines Tages, einer Phase, einer Reise oder einer Me-Time daran bemesse, wie gut ich es geschafft habe, meine Gedanken sortiert zu haben. Wie strukturiert ich sie angegangen, ausgesprochen oder aufgeschrieben habe. Wie gut es mir gelungen ist, Lösungen zu finden oder Strukturen zu erkennen.
Dass Gedankenspiralen, die sich oft wie bunte Wortphrasen über mir auftürmen, erst dann aufgelöst werden können, wenn ich vornehmlich allein in einer reizarmen Umgebung für ganz viel persönliche Zeit gesorgt habe. Je weniger Ablenkung, umso besser. Je mehr Ablenkung, umso mehr Gedanken kommen in bunten Worttürmen dazu und schmeißen sich mit in das Getümmel, das wie ein gedanklicher Kabelsalat in meinem Kopf zu finden ist.
Ich entdecke in mir, dass ich die Gabe der Empathie, des Fühlens und der Sensitivität oft als Schwere erlebe. Da bin nicht nur ich. Da sind auch die Gefühle, Stimmungen und Energien der anderen. Oft habe ich Tage, da berührt mich der Tautropfen des Frauenmantels in meinem Garten oder die leuchtende Farbe der Iris so sehr, dass ich einfach weine.
Oft hat man ganz schön damit zu tun. Es zu schaffen, nur sich selbst zu fühlen, ist manchmal ein ganz schön hartes Stück Arbeit. Und so wie ich es für mich sagen kann: ein Prozess ohne nachhaltigem dauerhaften Erfolg im Ankommen.
So kamen mit den vielen Lebensjahren auch viele Ressourcen und Tools zu mir, die mich tagtäglich begleiten. Und ja! Ich habe Möglichkeiten gefunden, keine Gedanken mehr zu haben. Ich kenne Wege, die Gedanken für einen Moment still werden zu lassen. Momente, in denen ich einfach nur sein kann. Nicht denke. Mich hingebe. Achtsam bin, nur mit mir. Aber ich schaffe es leider nicht, täglich auf einen Berg mit Karacho hinaufzulaufen oder in der Erde herum zu buddeln.
Ich kann ruhiger werden, mich abgrenzen. Aussortieren. Entspannter werden. Emotionen abfließen lassen. Energieverbindungen trennen.
All dies gehört zu meinem Tageserleben dazu. Ohne all das könnte ich die Menschin, die ich bin, gar nicht sein.
Und vielleicht geht es auch genau darum.
𝐈𝐜𝐡 𝐛𝐢𝐧, 𝐰𝐢𝐞 𝐢𝐜𝐡 𝐛𝐢𝐧.
Mit all meinen Prozessen.
Mit meinen Gedankentürmen.
Mit meinen Emotionen.
Mit meinen Prägungen.
Mit meinen Traumata.
Mit meinen Erlebnissen.
All das darf sein.
All das macht mich aus.
Vielleicht geht es genau darum, sich radikal so zu akzeptieren, wie man ist. Ohne sich ständig neue Tools aneignen zu müssen, die einen vielleicht ruhiger werden lassen.
Vielleicht liegt das Geschenk genau darin.
In einem unruhigen, abenteuerlichen Erfindergeist, der das Leben durch alle Facetten sieht. In allen bunten Farben. Mit allem, was darin ist. Und das meist gleichzeitig.
Und alles gleichzeitig auch spüren darf.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Aufgabe.
Nicht jeden Gedanken zu beruhigen.
Nicht jede Emotion wegzuatmen.
Nicht jede Besonderheit zu therapieren.
Sondern zu lernen, mit sich selbst in Friede zu kommen.
Vielleicht müssen wir gar nicht immer weniger werden. Weniger sensibel. Weniger intensiv. Weniger laut im Kopf.
Vielleicht dürfen wir lernen, all das zu halten.
Denn genau diese Art, die Welt zu sehen, lässt uns Zusammenhänge erkennen, wo andere nur Einzelteile sehen. Sie lässt uns Schönheit entdecken, wo andere vorübergehen. Sie lässt uns fühlen, was oft zwischen den Zeilen verborgen bleibt.
Ja, manchmal ist das anstrengend. Manchmal überwältigend. Und manchmal wünsche ich mir einen Tag, an dem mein Kopf einfach still ist. Oder zumindest für ein paar wenige Minuten.
Vielleicht ist genau dieses wilde, bunte, fühlende und niemals ganz stille Wesen unser größtes Geschenk.
Das Akzeptieren des eigenen Seins macht das Herz friedlicher. Es nimmt meinen Gedanken nicht ihre Vielfalt und meinen Gefühlen nicht ihre Tiefe.
Aber es schenkt mir einen liebevollen Platz in der ersten Reihe meines eigenen Lebens.
Ich muss nicht mehr gegen das Bunte in mir kämpfen.
Ich darf ihm einfach dabei zusehen, wie es durch meinen Kopf, mein Herz und meinen Körper tanzt.
Vielleicht entsteht Friede nicht dann, wenn das Innere still wird, sondern genau dann, wenn wir aufhören, von unserem Inneren Stille zu verlangen.
Love you 🤍

